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Da saß sie nun; hinter all diesen Kisten und Fässern in der dunkelsten Ecke dieses Kellers und machte sich so klein wie möglich. Bloß nicht entdeckt werden. Das hätte ihr gerade noch gefehlt. Allerdings … es würde ihr ganz recht geschehen. Warum musste sie auch immer so neugierig sein. Ja, die Brosche und der Ring der Frau hatten gut ausgesehen. Und da war sicher noch mehr. Aber ihr von Markt aus gleich nach hause zu folgen; und statt zu beobachten gleich mit hinein zu schlüpfen – so etwas konnte auch nur sie Ashara al Samira fertig bringen. Ihre Mutter, Samira al Magdali hatte ihr immer prophezeit, dass ihre Neugier sie irgendwann in Schwierigkeiten bringen würde. >Neugier ist gut, ’Shara. Nein, lach’ nicht. Ich meine es ernst. Doch du darfst bei all der Neugier und dem Kribbeln in den Fingern nie vergessen, erst so viel wie möglich über den momentanen Besitzer deines zukünftigen Eigentum in Erfahrung zu bringen. Es gibt Mächte unter unserer Sonne, die wir weder begreifen noch bekämpfen können.< Jetzt im dunkeln hallten die Worte ihrer Mutter in ihr wieder. Damals – als Kind – hatte sie gelacht und ihre Mutter gefragt, ob dann die Monster aus dem Blight kommen würden und in den dunklen Gassen Elmoras auf sie warten würden. Sie hatte schon als Kind, aufgewachsen auf den Strassen Elmoras, all diese Geschichten und Märchen über das Blight und seine Monster gehört und schon längst nicht mehr daran geglaubt. Doch jetzt dämmerte ihr langsam, was ihre Mutter gemeint hatte. Was wenn sie hier im Hause eine Magierin saß und diese bereits von ihr wusste und ihr krankes Spiel mit ihr spielte? Was wenn es keine Magierin, sondern ein verrückter Magier war? Panik kroch in ihr hoch. Wie sollte sie entkommen? Sie wusste nichts über die Leute, die in diesem Haus wohnten.> Nein!< Schallt sie sich selber. >Es bringt nichts sich jetzt verrückt zu machen! Ich bin ’jetzt’ hier. Und entweder ich gehe diesen Weg weiter oder ich gehe zurück und kehre nie wieder in dieses Haus zurück. Aber ich bin nicht so weit gegangen, in dieses Haus einzudringen um jetzt zu kneifen. Jetzt will ich es wissen.<
In diesem Moment knarrte die Kellertür. Ashara drückte sich in den Schatten der Kiste, hinter der sie saß. Sie hörte Schritte näher kommen, dann wie ein Fass aufgestemmt wurde und etwas platschend in eine Flüssigkeit eingetaucht und wieder herausgezogen wurde.
>Celi! Was brauchst du so lange? Die Herrschaften warten schon!< Das war die Stimme einer einer Frau mittleren Alters. Sie war wahrscheinlich für die Küche und die Hausmädchen verantwortlich. Celi, die immer noch am Weinfass stand, antwortete schnell.>Ich komm' ja gleich! Ich muss nur noch das Fass verschließen!<
Nun konnte man hören, wie ein Tongefäß auf dem Boden abgestellt wurde, der Deckel auf das Fass geschoben wurde und wie dann jemand schnell die Treppe hinauf lief.
Moment! Hatte sie sich geirrt? Hatte die Tür nicht geknarrt? Hatte sie es überhört? Oder? Oder? Sie wagte kaum den Gedanken zu Ende zu denken. Hatte dieses Hausmädchen vielleicht wirklich vergessen, die Kellertür, die, weil sie so knarrte, für Ashara ein solches Hindernis darstellte, wirklich vergessen zu schließen? Sollte ihr das Schicksal wirklich so gewogen sein?
Vorsichtig spähte sie über den Rand der Kiste. Wirklich, die Tür stand offen.
Langsam und leise erhob sie sich. Ganz sachte schlich sie zur Tür und riskierte einen Blick nach oben, die Treppe hinauf. Es war niemand zu sehen. Man konnte gedämpfte Geräusche aus der Küche hören. Vorsichtig ging sie an die Wand gedrückt die Treppe bis zum nächsten Absatz hinauf.
Von links schien Licht in das Treppenhaus. Dort roch es gut; nach Gebratenem und Gebackenem. Aber daran konnte sie später denken. Rechts ging die Treppe hinauf in den ersten Stock. Dort war es dunkel und - was noch wichtiger war - absolut leise. Behutsam glitt Ashara um die Ecke und stieg die Treppe hinauf. Oben angekommen, spähte sie in einen dunklen Gang. Mondlicht fiel durch ein Fenster und schuf eine ganz eigene Atmosphäre. Es gab ihr das Gefühl unsichtbar zu sein. Als ob nichts und niemand ihr etwas anhaben könnte. Sie liebte es im dunkeln durch Häuser zu streifen und sich einfach nur umzusehen; nur zu schauen, wie die Menschen lebten.
An der Wand gegenüber waren mehrere Türen. Gerade, als sie darüber nachdachte, in welches Zimmer sie gehen sollte, hörte sie Schritte auf dem Gang. Jetzt musste es schnell gehen. Zurück auf die Treppe? Nein! Wenn die Person in die Küche wollte, saß sie dort in der Falle. In eines der Zimmer? In welches bloss?
Ahara huschte schnell in die nächstgelegene Tür und schloss sie so leise wie möglich wieder. Drinnen lehnte sie sich gegen die geschlossene Tür und atmete erst einmal tief durch ... als die Klinke von aussen gedrückt wurde. Ashara konnte sich gerade noch hinter der Tür fest an die Wand pressen, als diese aufging.
Sie wagte kaum zu atmen, als schwere Schritte das Zimmer durchquerten. Sie sah im Kerzenschein den Schatten des anderen. Den Schritten und der Silouette nach war es ein Mann. Sie hörte wie er ind en Papieren kramte und mit den Schriftrollen raschelte. Nach einer schier unendlichen Zeitspanne schien er fündig geworden zu sein und verließ das Zimmer. Ashara blieb für einen Moment wie versteinert stehen. Das Herz schlug ihr bis zum Hals. Jetzt wollte sie eigentlich nur noch nach Hause. Nur wie rauskommen? Die Tür schied aus. Da draußen liefen ihr einfach zu viele Leute rum. Langsam ging durch das Zimmer. Sie war im ersten Stock und die Aussicht, aus dem Fenster zu klettern gefielt ihr nicht sonderlich. Allerdings gefiel ihr der Gedanke erwischt zu werden noch weniger. Langsam näherte Ashara al Samira sich im Dunkeln dem Fenster. Draußen hing der große Vollmond am Himmel und erhellte die nächtliche Stadt. Es war schon sehr spät. Sie brauchte mit keinerlei Zeugen zu rechnen, falls sie aus dem Fenster klettern sollte. Das Fenster hatte ein schräg zur Straße hin abfallendes Sims, das direkt in das Vordach überging, welches die Frontwand des Hauses entlang verlief. Das Sims war sehr steil; allerdings war es bis zum Boden dann nicht mehr weit.
Vorsichtig, um kein Geräusch zu machen öffntet sie das Fenster. Geübt kletterte sie auf das Sims und hielt sich am Fensterrahmen fest.Langsam streckte sie erst ein Bein, dann das andere nach dem Balken am Ende des Simses aus. Er bot scheinbar sicheren Halt.Gerade als sie den Fensterrahmen loslassen wollte, um sich am Balken festzuhalten und sich vom Vordach herunter lassen wollte, ging die Zimmertür erneut auf. Ein Mann mittleren Alters mit einer Kerze in der Hand betrat das Zimmer und blickte sie geradewegs an. Ashara stockte der Atem. Der Mann war genauso geschockt wie sie.
Sie erholte sich allerdings einen Tick schneller als er. Sie hing bereits am Vordach und ließ sich auf die Straße fallen, als er im Haus Alarm schlug. In dem Moment, in dem sie sich zu Boden fallen ließ, stürzte sie bei dem Versuch, sich so schnell wie möglich aus dem Staub zu machen, über ihre eigenen Füsse. So etwas konnte auch nur ihr passieren. Als die Tür zur Straße aufging und ihre Verfolger ausspuckte, gab sie so schnell Fersengeld, wie noch nie zuvor in ihrem Leben.
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